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11. April 2016

Interview mit einem Maskenbildner

Sven Grolewski macht eine Ausbildung zum Maskenbildner am Stadttheater Bielefeld. Zuvor hat der 24-jährige eine Ausbildung zum Friseur abgeschlossen und in diesem Beruf ein Jahr gearbeitet. Im Boys’Day-Interview erzählt er von seinen Erfahrungen.

Wie ist dein beruflicher Werdegang?

Ich habe erst meinen Realschulabschluss gemacht, dann habe ich meine Ausbildung zum Friseur angefangen. Als ich fertig war, habe ich etwa ein Jahr als Friseur gearbeitet. Dann habe ich mich beim Stadttheater beworben, wo ich vorher schon ein Praktikum gemacht hatte. Ich hatte sehr viel Glück, denn ich wurde von den insgesamt 200 Bewerberinnen und Bewerbern genommen.

Was gefällt dir an deinem Ausbildungsberuf? Was gefällt dir daran besonders und was gefällt dir vielleicht weniger?

Mir gefällt die Möglichkeit, die Schauspieler und Schauspielerinnen komplett zu verändern. Durch Make up, durch Perücken, durch irgendwelche Gesichtsteile zum Beispiel. Da kann man eine ungeheure Wirkung erzielen. Es ist mein Traumjob und ich bin sehr glücklich, ihn ausüben zu dürfen.

Du bist ja einer von wenigen jungen Männern, die diesen weiblich dominierten Beruf ausüben. Wie haben deine Eltern und deine Freunde auf deinen Berufswunsch reagiert?

Bei mir ist es so, dass meine Eltern und Freunde komplett hinter mir stehen und mich sehr  unterstützt haben. Niemand hat mich gefragt: „Was machst du denn da?“ sondern es waren eigentlich alle begeistert, dass ich mein Ding mache.

Du arbeitest mit acht Frauen zusammen. Was sagen deine Kolleginnen?

Bis jetzt ist es ganz gut. Natürlich gibt es manchmal Situationen, wo die Mädels unter sich sind und ich sitze da und denke, was reden die jetzt? Aber das ist normal, da halte ich mich einfach raus und mache mein Ding. Insgesamt ist es ein sehr harmonisches Miteinander.

Wann ist in dir der Entschluss gereift, dass Friseur und Maskenbildner deine Wunschberufe sind? Damit hast du dich ja der Mehrheit der jungen Männer, die immer noch die klassischen "Männerberufe" wählen, entgegengestellt.

Das war mir schon sehr früh klar. Seitdem ich stehen und was mit den Händen machen konnte, saßen Cousinen und Tanten bei mir und ich habe ihnen die Haare gekämmt. Es ist einfach mein Ding.

Was sollte man in deinem Job besonders gut können, was sind für dich die wichtigsten Qualifikationen?

Auf jeden Fall ist es von Vorteil, wenn man Vorkenntnisse als Friseur hat. Man muss keine abgeschlossene Ausbildung haben, aber die meisten Chefs bevorzugen jemanden, der in diesem Beruf schon gearbeitet hat. Als Maskenbildner arbeite ich zu 80 Prozent mit Haaren, zum Beispiel Perücken herstellen. Da sind Grundkenntnisse schon wichtig.

Was müsste passieren, damit mehr Männer den Beruf Maskenbildner ergreifen?

Es müssten sich einfach mehr Männer trauen über dieses Klischee des Frauenberufs hinweg zu sehen. Wenn man nach Amerika schaut: Die Maskenbildner, die die Oscars gewinnen, sind fast alles Männer.

Viele Männer, dich ich kenne, schrecken davor zurück, Berufe auszuüben, in denen viele Frauen arbeiten. Sie wollen in ein Schema passen. Männer, denen eine Ausbildung zum Friseur nicht reicht, also Haare aufdrehen, schneiden und färben, könnten sich weiter zum Maskenbildner ausbilden lassen. Das war bei mir auch so: Ich habe überlegt, ob ich immer als Friseur arbeiten möchte und habe mich dann entschlossen, weiter zu machen, weil es eben auch eine neue Aufgabe für mich ist. Ich lerne neue Dinge und gehe über das Ziel hinaus, was ich mir mal gesetzt habe.

Wie kommst du mit den Arbeitszeiten und mit der Bezahlung zurecht?

Die Arbeitszeiten finde ich vollkommen in Ordnung. Natürlich musste ich mich erst einmal  daran gewöhnen, abends zu arbeiten und erst um 22 Uhr oder manchmal noch später nach Hause zu kommen. Aber das muss man sich klar machen, wenn man diesen Beruf lernt. Was die Bezahlung anbetrifft: Ich finde, solange der Beruf Spaß macht und man mit Herzblut dabei ist, ist die Bezahlung zweitrangig.

Kommen wir zu deinen Zukunftsplänen: Wie stellst du dir dein Leben in 20 Jahren vor, möchtest du eine Familie haben, Karriere machen, vielleicht selber irgendwann  auf der Bühne stehen und einen Oscar in Empfang nehmen?        

Das wäre natürlich klasse! Ideen und Träume habe ich schon, vielleicht mal ins Ausland gehen. Aber im Moment ist meine Priorität ganz klar: Ich möchte die Ausbildung schaffen und dann sehe ich weiter. Natürlich würde ich mich freuen, weiterhin am Theater bleiben zu können.

Könntest du dir vorstellen, die erzieherischen und betreuenden Aufgaben gleichmäßig aufzuteilen, wenn du eine Familie gründen möchtest? Oder wie du überhaupt deine Arbeit mit einer Familie vereinbaren kannst?

Ich denke schon, dass meine Arbeit gut mit einem Familienleben zu vereinbaren wäre, da ich häufig abends arbeite und man sich dann die Betreuung gut aufteilen könnte. Also habe ich quasi den perfekten Job gefunden, um Familie und  Beruf zu vereinbaren.

                  

Mehr zur Berufswahl von Jungen unter:

www.boys-day.de

www.dasbringtmichweiter.de/typischich