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Selbständiger Tagesvater

Christoph

Christoph ist 31 Jahre alt und betreut als selbstständiger Tagesvater kleine Kinder unter drei Jahren. Heute ist sich Christoph sicher, seinen Traumberuf gefunden zu haben, doch auf dem Weg dahin hat er viele Richtungen eingeschlagen.

 

Wie ist dein beruflicher Werdegang?

Nach meinem Abitur bin ich zunächst zur Bundeswehr gegangen und habe die Grundausbildung absolviert, aber die Arbeit als Soldat hat mich nicht wirklich gereizt. In den Jahren danach habe ich vieles gemacht und ausprobiert. Dabei habe ich unter anderem als Theken- und Servicekraft in der Gastronomie gearbeitet, habe Medienrecht studiert und versucht in die Filmbranche einzusteigen, habe eine Ausbildung zum Bootsbauer begonnen, die ich leider nicht abschließen konnte und bin anschließend wieder zurück in die Gastronomie gegangen.

Die Idee, im Bereich Pflege und Sozialwesen zu arbeiten, kam mir dann tatsächlich erst, nachdem meine Frau und ich Schwierigkeiten hatten, einen Kita-Platz für unseren Sohn zu bekommen. Mir ist aufgefallen, dass in diesem Bereich eine große Nachfrage existiert und nachdem ich eine Infoveranstaltung besucht und einige Einblicke erhalten hatte, war klar, dass ich es versuchen werde. Neben meiner Arbeit in der Gastronomie habe ich also eine Abendschule besucht und meine Ausbildung zum Tagesvater begonnen.

Nach dem Abschluss der Ausbildung und dem Erhalt meiner Pflegeerlaubnis habe ich dann zunächst von Zuhause aus gearbeitet, aber mittlerweile besitze ich meine eigene kleine Einrichtung und bin vollkommen zufrieden.

Was gefällt dir besonders an dem Bereich in dem du arbeitest, was gefällt dir nicht?

Neben der sehr erfüllenden Arbeit mit den Kindern ist es vor allem die Selbstständigkeit, die mir gefällt. Ich bin mein eigener Chef, steuere meine Arbeitszeiten selbst und gestalte meinen Arbeitsalltag nach meinen eigenen Vorstellungen. Die Selbstständigkeit ist aber auch der Aspekt, der die größten Risiken mit sich bringt. Ich übernehme jeden Tag eine große Verantwortung, wenn die Eltern ihre Kinder in meine Obhut geben – und die trage ich ganz allein. Und wenn ich krank bin oder mir etwas Wichtiges dazwischen kommt, gibt es niemanden, der mir den Rücken frei hält. Die Selbstständigkeit ist definitiv eine große Herausforderung und bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich.

Wie haben deine Eltern und deine Freunde auf deine Berufswahl reagiert?

In meinem Familien- und Freundeskreis haben alle sehr positiv auf diese Berufswahl reagiert. Gesellschaftlich betrachtet sind Tagesväter vielleicht noch nicht ganz so präsent oder normal wie Tagesmütter, aber Emanzipation funktioniert eben auch in beide Richtungen.

Was sollte man in deinem Job besonders gut können?

Geduldig sein! Vor allem in der Kommunikation mit kleinen Kindern ist das sehr wichtig, denn sie kommunizieren ständig. Zwar weniger mit Worten, dafür aber mit ihrem ganzen Körper, mit ihrer Gestik und Mimik. Wichtig ist es dann, die Kommunikation verstehen bzw. interpretieren und darauf antworten zu können. Das verlangt Geduld und Einfühlungsvermögen. Außerdem sollte man Leidenschaft, Respekt und Achtung vor den Kindern mitbringen, ansonsten funktioniert es nicht. Und eine gute Beziehung zum eigenen, inneren Kind kann auch nicht schaden, denn eine Lust zum Spielen und entdecken gehört einfach dazu.

Bist du der einzige Mann in deinem Bekanntenkreis der diesen oder einen ähnlichen Berufsweg eingeschlagen hat?

Ja, in meinem Umkreis bin ich der Einzige. Das Interesse meiner Freunde und Bekannten steigt aber merklich an und ich versuche natürlich, ein gutes Vorbild zu sein.

Was glaubst du ist der Grund dafür, dass so wenige Männer in diesem Bereich arbeiten?

Ich denke, es liegt hauptsächlich am klassischen Rollenverständnis. Es hat sich leider so entwickelt, dass man die Arbeit mit Kindern eher Frauen zuschreibt, während Männer eher handwerklich oder wirtschaftlich orientiert arbeiten. Vielleicht haben auch viele Männer Angst, durch eine Arbeit im Bereich Pflege & Soziales nicht anerkannt oder ins Lächerliche gezogen zu werden.

Was müsste sich deiner Meinung nach ändern, damit mehr Männer in diesem Bereich arbeiten können/wollen?

Das klassische Rollenverständnis muss überdacht werden. Gleichberechtigung fängt nicht erst im Büro oder im Beruf an, sondern schon im Wohnzimmer und in der Küche! Außerdem sollte es mehr Anreize geben, diese beruflichen Wege einzuschlagen und auf den Bedarf an Männern in diesen Jobs sollte deutlicher aufmerksam gemacht werden.

Wie stellst du dir dein Leben in 20 Jahren vor?

In den nächsten fünf Jahren werde ich wohl einfach dem Tagesgeschäft als Tagesvater nachgehen. Dabei möchte ich aber genug Erfahrungen sammeln um später eine eigene Kita zu eröffnen. Dann würde ich es auch begrüßen, deutlich mehr Männer einstellen zu können, als es heute typisch ist. Das Konzept einer reinen Männer-Kita wäre auch denkbar, aber das ist weder ein genauer Plan noch ein bestimmtes Ziel.

Könntest du dir vorstellen, weniger zu arbeiten als deine Partnerin, wenn du/ihr später eine Familie gründet?

Na klar, das habe ich sogar schon hinter mir. Zur Zeit der Geburt meines Kindes hatte ich einen weniger gut bezahlten Job als meine Partnerin und wir haben uns die Elternzeit geteilt. Ich war also viel Zuhause und habe mich um unser Kind gekümmert und würde das auch jederzeit wieder so machen.

Gibt es noch etwas, dass du anmerken möchtest?

Das klassische Rollenverständnis muss überdacht werden! Gleichberechtigung fängt im Wohnzimmer und in der Küche an, nicht erst im Beruf. Außerdem sollten staatlicherseits mehr Anreize für den Weg in soziale Berufe und mehr Aufmerksamkeit für Geschlechterdiversität geschaffen werden.

30.05.2018