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Erzieher-Azubi in der Inobhutnahme

Anton

Anton, 27 Jahre, steht kurz vor dem Abschluss seiner Erzieherausbildung und arbeitet seit 2018 in einer Inobhutnahmestelle. Hier werden Kinder und Jugendliche in Notsituationen durch das Jugendamt untergebracht.

Kannst du kurz beschreiben, was in einer Notaufnahmestelle passiert und was dein Job dabei ist?

In der Inobhutnahme nehmen wir Kinder aus unterschiedlichsten Belastungssituationen auf. Gründe sind zum Beispiel Misshandlung, Verwahrlosung und Erkrankungen oder Todesfälle in der Familie. Auch unbegleitete minderjährige Geflüchtete nehmen wir auf. Somit befinden sich die Kinder ausnahmslos in Krisensituationen und sind dadurch teilweise schwer traumatisiert.

In einer Notaufnahmestelle zu arbeiten ist bestimmt nicht immer einfach. Wie schaffst du es, mit den Geschichten und Schicksalen der Kinder klarzukommen?

Die Arbeit in der Inobhutnahmegruppe (IOG) ist anstrengend und belastend. Mir hilft es sehr, mit Freunden und Kollegen zu sprechen, wenn mich die Schicksale bzw. deren Auswirkungen zu sehr belasten. Als Ausgleich mache ich Kampfsport (Thaiboxen) oder betätige mich kreativ.

Was gefällt dir an deiner Arbeit? Und gibt es etwas, das dir nicht so gut gefällt?

Mir gefällt gut, dass die Arbeit so abwechslungsreich ist. Jedoch kommt man oft bei sogenannten "Systemsprengern" pädagogisch an seine Grenzen. Zum Beispiel, wenn sie selbst- oder fremdgefährdend werden.

Du hast zuerst studiert. Wie kam es dazu, dass du dich für die Erzieherausbildung entschieden hast?

Ich habe zunächst Philosophie studiert und nebenbei angefangen, Assistenz und Pflege für einen Menschen (und mittlerweile auch Freund) mit Behinderung zu machen, den ich nebenbei auch immer noch unterstütze.

Außerdem arbeitete ich im Offenen Ganztag an einer Grundschule. Im Rahmen der Ausbildung machte ich Praktika in einer Kita und Jugendfreizeiteinrichtung. Somit bin ich in den sozialen Bereich langsam "reingerutscht".

Im Laufe der Ausbildung ist mir jedoch auch bewusst geworden, dass unbewusste Gründe (persönliche Erlebnisse) eine große Rolle spielen, dass ich jetzt in der IOG arbeite.

Was sollte man besonders gut können, um in deinem Job zu arbeiten? Wann sollte man den Job eher nicht wählen?

Um in der IOG zu arbeiten braucht man ein ruhiges Gemüt. Außerdem sollte man psychisch stabil sein und ein großes Maß an Empathie besitzen. Grundlage ist auch, Spaß an der Arbeit mit Kindern zu haben.

Insgesamt sind männliche Erzieher immer noch in der Unterzahl. Was müsste sich ändern, damit es mehr werden?

Der Beruf Erzieher muss attraktiver für Jungen bzw. Männer werden. Zum einen finanziell; zum anderen braucht es Vorbilder bzw. Männer, die dem klassischen Rollenklischee nicht entsprechen und auch solche, die kräftig und mutig sind, aber trotzdem Schwächen zeigen können, die sich um ihre Mitmenschen kümmern und nicht als Egoisten durch die Welt gehen. Der Boys'Day ist dazu eine super Maßnahme.

Wie sieht es in deinem Team aus? Hast du männliche Kollegen?

In meinem Team arbeiten überdurchschnittlich viele Männer. Jedoch sind weibliche Kolleginnen trotzdem in der Überzahl (ca. 3/4).

Was würdest du Jungs raten, die sich für den Job interessieren?

Macht Praktika und probiert euch in verschiedenen Jobs aus. Ansonsten am besten Berufsberatung in Anspruch nehmen oder über das Internet informieren!

Alles, was du sonst noch sagen möchtest:

Wenn es euch nicht gut geht, ihr Probleme zu Hause habt, sprecht mit euren Lehrern und Freunden darüber! 

20.02.2020